13. Südwinsen Festival

In der dreizehnten Ausgabe der anfänglichen Indieparty hat man alles Gute, was das 'Süwi' auszeichnet, übernommen und weiter daran gearbeitet: So steht die Bühne in diesem Jahr näher an der Straße – Tagesbesucher müssen also nicht mehr über den Campingplatz laufen, um auf das Gelände zu kommen. Nach wie vor gilt: Wer eigenes Bier mitbringt, tötet das Südwinsen Festival – das hat aber, wahrscheinlich sehr zum Unmut der Veranstalter, viele nicht davon abgehalten, ihre eigenen Getränke mitzubringen. Der Campingplatz selbst ist frisch abgemäht und hat exakt die optimale Größe für die vielen Besucher, die im Königreich Südwinsen nur zu Gast sind.

Am Freitagnachmittag rechnet man noch mit dem Schlimmsten. Schließlich hat der Wetterbericht nichts Gutes verheißen – Gewitter, Sturm, Platzregen: Für ein Festival, das sich durch Getränke- und Essensverkauf finanziert, das sichere Aus.Tatsächlich beginnt es kurz vor der ersten Band Rockout furchtbar zu schütten. Äußerst ärgerlich, sollte der erste richtig große Auftritt der vier jungen Celler so in die Hose gehen? Nein, Petrus zeigt noch einmal Gnade und die Sonne kommt pünktlich zu Beginn ihres Sets hinter den Wolken hervor – vielleicht symbolträchtig.Für einen Opener ist es beachtlich gefüllt vor der Bühne, wenn auch die meisten Besucher noch auf dem Zeltplatz sitzen, – der deutsche Rock mit zwei singenden Gitarristen, einem Bassisten und Drummer kommt bei den Musikhungrigen sehr gut an. So gut sogar, dass sie eine Zugabe spielen dürfen. Vorher haben die Jungs auch noch etwas in der Hinterhand und holen sich Chris, den Frontmann des Butterfly Projekts, auf die Bühne, um zusammen einen Song zu spielen. Ein schöner und gelungener Auftritt! Kritisch anzumerken ist nur, dass der Gesang stellenweise noch Verbesserungspotentiall aufweist.

 

Mit den nun folgenden Captivity betritt die erste und einzige Metalband des diesjährigen Festivals die Bühne. Nicht, dass keine Metaller da wären, nein, das Südwinsen Festival lebt einfach von seiner großen Vielfalt. Captivity sind inzwischen zu einer festen Größe geworden und steigern sich regelmäßig – so auch im Königreich Südwinsen.Mit den ersten Tönen stieg die Stimmung sofort, es wird gepogt (trotz anfänglichen zwei Meter Abstand zur Bühne), gebangt: abgegangen.Von Anfang an sind mehr Leute vor der Bühne als bei Rockout, es kommen weniger Leute während des Sets noch dazu als beim Opener.
Captivity präsentiert hier auch ihre neue Besetzung: Martin an der Gitarre und Benny am Schlagzeug neben den bekannten Gesichtern.Sänger Marc macht die Bühne zu einer Bar: Erst spritzt er eine große Menge Bier aus einem Fass in die gierigen Münder des Publikums – schließlich greift er zum Whiskey, den die Hartgesottenen in der Menge auch dankbar annehmen. Mit jedem Song erhöht sich der Druck und die Spannung in der Luft wird größer; die Metaller fordern eine Wall Of Death – das wird ihnen mit einem späteren Song erfüllt – ebenso wie der Wunsch nach einem Circle Pit. Ein genialer Auftritt: Captivity, macht weiter so!

Eine weitere, inzwischen durchaus bekannte Band aus der Region folgt mit WhatEver. Die Pop-Punk-Rocker präsentieren sich schicker denn je in feschen Anzügen mit schwarzen Sonnenbrillen, die an die Blues Brothers erinnern. Der Bereich vor der Bühne ist schnell gefüllt – auffälligerweise handelt es sich um ein anderes Publikum: Die Metaller brauchten wohl erst einmal eine Verschnaufpause. WhatEver spielen 'alte' Klassiker wie 'Verpiss Dich', präsentieren aber auch viel Neues.Laslo (Gitarre/Gesang) kann einfach mit Menschen umgehen – auf seine witzige Art leitet er durch das Set: Das Publikum zollt dem Tribut - die Stimmung ist nämlich hervorragend. Es wird getanzt und die Menge hat ihren Spaß.Hinterher hört man von vielen: Die Band hat sich deutlich gesteigert – da ist eine Menge Potential!

Es folgen Jezebel aus Dänemark. Vor der Bühne ist es relativ leer – man verschnauft noch. Sie präsentieren atmosphärischen Rock, der zwei Mutige im Publikum zum Tanzen animiert. Die anderen Besucher schauen sich die Band aus sicherer Entfernung an, nicken mit dem Kopf und wackeln mit den kleinen Zehen.Dass die Band anfangs mit Soundproblemen zu kämpfen hat, merkt man deutlich: Mehr als eine Note war schief. Zudem klangen viele Songs ähnlich und wenig abwechslungsreich.Dennoch waren einige Songs durchaus hörenswert und hätten mehr Aufmerksamkeit verdient, als ihnen geschenkt wurde.
Ein durchwachsener Auftritt – vielleicht war es nicht ihr Tag.

Im Anschluss spielen The Pokes ihre Interpretation von Folk Rock – vielleicht ein wenig Irisch angehaucht, vielleicht ein bisschen punkig.Egal, denn die Stimmung ist durchgängig gut, schließlich präsentiert die Band grandiose Stimmungsmusik. Mit folk-typischen Instrumenten (Akkordeon, Banjo) ausgestattet, kann man die Berliner nicht mehr bremsen – sie spielen ihr Set und sie spielen es gerne. Gerade der Song 'Poking The Fire' kann live absolut überzeugen.Im Lineup des diesjährigen Südwinsen Festivals sind sie auf jeden Fall eine Bereicherung.

Nun fehlt nur noch eins: Der Headliner. Selbiger betritt in Form von Rantanplan die Bühne.Sie schreiben, dass sie Skapunk spielen und sie spielen tatsächlich Skapunk – eine treffendere Bezeichnung für ihre Musik gibt es nicht.Man merkt, was das Publikum von den Hamburgern erwartet: Es ist so gut gefüllt, wie bei keiner Band sonst – leider sind ebenso viele unangenehm auffallende Schnapsleichen anwesend, die kaum noch stehen können.Rantanplan beginnen ihr Set und sofort haben sie das Publikum in der Hand. Mit Songs wie 'Hallo Hure Hamburg' und 'Unbekanntes Pferd', spielen sie auch herrliche Ohrwurmkandidaten. So viel Bewegung von so vielen Menschen...'die Menge tobt', trifft es hier ganz gut.Und die Menge tobt bis der letzte Ton verklingt. Vorher wird es bereits weniger im Publikum – verständlicherweise. Es ist spät und das Tanzen strengt an.Am Ende ihres ohnehin langes Sets spielen Rantanplan noch eine Zugabe von drei Songs – dann wird es still und die Hälfte des Südwinsen Festivals ist leider vorbei.Zufrieden kriechen die Besucher in ihre Zelte oder feiern weiter – zumindest sind sie nicht unglücklich. Das Festival macht einfach Spaß – während man gerade den Freitag hinter sich lässt, freut man sich schon auf den Samstag.

Samstag 25. Juli 2009 (Tag 2. Südwinsenfestival) geschrieben von David

Wie schon am Vortag scheint es Petrus nicht gut mit den Campern zu meinen: In der Nacht und am Tag ziehen Schauer nach Schauer über den Zeltplatz. Trotzdem zelten wohl soviele wie nie bei der 13. Ausgabe des Südwinsen Festivals. Morgens gegen zehn Uhr gibt es am Biertresen zu günstigem Preis Brötchen und Kaffee. Bei mehreren Brötchen gibt es gleich einen Mengenrabatt dazu. Während die Besucher das Frühstück und die kurzen regenfreien Phasen genießen, räumt das Südwinsen Festival Team die Unmengen an Müll und Scherben des Vorabends auf.

Musikalisch geht es um 14:00 mit den Biertenören los. Die vier Liedermacher aus Berlin singen wie der Name schon vermuten lässt hauptsächlich über den Konsum von Bier und anderen alkoholischen Getränken. Die „Punkrockakustik“ lässt zwar Humor und jegliches Niveau vermissen, kommt aber zu der frühen Stunde gut bei den Gästen an. Sichtlich erfreut an den Themen der Songs wird auch gleich weiter in Bier investiert. Neben Bier gibt es an Südwinsens längstem Biertresen inzwischen auch vier verschiedene Kuchenarten.

Mit etwas Verspätung geht es um Viertel nach Drei mit StenRei weiter. Unsere anfängliche Skepsis wird schnell widerlegt. StenRei klingen deutlich besser als bei ihrem letzten Auftritt im Oxmox. Vor allem die neuen, schnelleren, tanzbaren Songs zu Beginn des Sets haben es uns angetan. Neben der Begleitung von Schlagzeug und Gitarre spielt Carsten auch wieder Akustik. Hierbei vergisst er glatt seine Noten, was nicht weiter schlimm ist, da Johannes gleich mit seiner Gitarre einsetzt. Auch die Balladen kommen endlich wieder mit dem selben Gefühl rüber, wie wir es von „Songs for someone special“ kennen.

Als wohl ältester Musiker des Abends tritt Klaus der Geiger gegen 16:25 von der Bühne in den Schlamm, um dort zu spielen. Was folgt ist wohl einer der am meisten gefeierten Acts des Festivals. Selbst zur Begrüßung hagelt es Applaus. Der zerzauste alte Mann in der terrakottafarbenen Latzhose begeistert das Publikum mit sehr politischem Geigenpunk. Die aktuellen Texte prangern unter anderem den Raubtierkapitalismus in Zeiten der Finanzkrise und die zunehmende Entindividualiserung in einer vom Kapital beherrschten Welt an. Auf Liedwünsche des Publikums geht der Kölner Musiker rasch ein und spielt ein gewünschtes „Perverse Führer“. Die anfängliche Bitte, Petrus möge bitte nicht pissen, nimmt der Gute leider nicht war und lässt es zum letzten Mal an diesem Abend regnen. Interessant ist auch die Menge an Respekt, mit der die anwesenden Punks dem Künstler begegnen. Punks, die ein Liedbuch halten, sieht man nicht alle Tage. Die witzig-ironischen, kritischen Texte, kombiniert mit seinem großartigem Geigenspiel, treffen das Herz des Publikums. Ein großartiger Künstler!Noch euphorischer freuen sich die Fans von Phrasenmäher auf den bevorstehenden Auftritt des charmanten Trios. Leider haben diese aber kurz vorher abgesagt. Grund sei eine Mandelentzündung des Sängers. Schade, denn viele Besucher sind nur für diese Band angereist. Stattdessen spielen nun nochmal die Biertenöre oberkörperfrei ihre Lieder.Roger Trash covert kurz darauf Balladen von Rio Reiser. Begleitet wird das Ganze von einem Keyboard. Nicht wirklich spannend und auch nicht zum Feiern geeignet, aber immerhin waren alle relevanten Lieder des 1996 verstorbenen Musikers mit dabei.

Wie jedes Jahr gibt es Samstags auch eine Reihe von Blues Bands. Den Anfang macht die seit 1993 bestehende Celler Band Stars & Bars. Wie eh und je dauert es nicht lange bis das Publikum zum Blues abgeht. Mit Dynamite Roadkill als Special Guest kommt als nächstes zwar keine Bluesband, aber dafür die Band, auf die die meisten wohl sehr gewartet haben, nachdem durchgesickert ist, dass sie auftreten. Der Auf-die-Fresse-Rock'n'Roll begeistert schnell die Massen. Zwar gabs keine neuen Songs, aber dafür eine wirklich fette Party. Es macht einfach Spaß, den vier Jungs auf der Bühne zuzusehen. Die Bühnenerfahrung ist den Musikern deutlich anzusehen.Weiter geht es wieder mit einer Blues Band. Nämlich mit Demian Domigues Blues Band. Toller Blues zu dem die schon angeheizte Meute ordentlich abfeiert. Demians wahnsinnige Stimme, geniale Gitarrensolos und gelegentliche Double-Bass Einsätze lassen die Musik äußerst abwechslungsreich klingen. Das überraschend junge Publikum fordert immer weiter nach Zugaben und verliert die Lust, wild zu Tanzen, bis zum Schluss nicht.

Als letztes dürfen an diesem Abend Tequila and the Sunrise Gang spielen. Die Band, die schon im letzten Jahr das Publikum begeisterte, hat es nicht schwer an den letztjährigen Auftritt anzuknüpfen. Etwas nervig sind nur die Punks, die in den ersten paar Liedern die Sicht auf die Bühne nahezu bedecken. Diese werden zum Glück recht schnell von der Bühne geschmissen und machen somit Platz für eine richtig schöne SKA/Punk Band, welche den Abend und das Festival gebührend abschließt.

Beide Tage des Festivals waren mal wieder ein voller Erfolg. Trotz des anfänglich miesen Wetters kamen unendlich viele Menschen, um friedlich zu feiern. Die unterschiedlichsten Musikrichtung sorgten für ordentlich Abwechslung und trotz Unmengen an Verräterbier sei das Festival finanziell für das nächste Jahr gesichert, so der Veranstalter. Wir sagen "Danke" und freuen uns aufs nächste Mal, bei dem die Pavillions dann hoffentlich nur zum Schutz gegen die Sonne zum Einsatz kommen.

Quelle: grassyworld.net

Comments (3)
Eigene Meinung des Verfassers...
3 Tuesday, 13 April 2010 22:05
CellerPunk
Was soll der Quatsch? Die Biertenöre waren voll geil! Die haben später noch nen Privatkonzert auf dem Zeltplatz gespielt! Oberhammer!!!
So So
2 Saturday, 03 October 2009 14:20
Claudi
Euch kenn ich doch :-) schönes Fest wars büschn naß aber geil!
Fett eh!
1 Friday, 02 October 2009 10:08
Dennis Bessler
Geile Sache das!! Anfangs dachte ich darüber nach nach dem Auftritt von Captivity gegen 21:00 wieder vom Festivalgelände abzuhauen, gut das ich es nicht getan habe. Geiler Abend, super After-Show-Party!

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