Rock-Band Festival

Der Himmel ist bedeckt, nur an einigen Stellen blitzen einzelne Sonnenstrahlen hindurch. Mit einem Blick nach oben wird es ziemlich schnell offensichtlich, dass man an diesem Tag mit Regenjacke oder –Schirm und wasserdichtem Schuhwerk gut beraten ist. Denn so fällt auch eine Open-Air Veranstaltung wie das Rock-Festival im Bismarck-Stadion an diesem Tag nicht ins Wasser.

Entsprechend ausgerüstet erwarten wir um 14:00 Uhr die Local Heroes Gewinner von WhatEver, die heute vorgezogen werden, um abends ihren Gig in der zweiten Runde des Contests spielen zu können. Ihr Auftritt ist also so etwas wie die Generalprobe für die große Chance am Abend. Etwa 30 Leute haben zur Mittagszeit schon den Weg ins Stadion gefunden und stehen leicht fröstelnd im nassen Gras. Die Deutsch-Rock-Jungs sind jedoch in bester Laune und mit dieser ziemlich ansteckend. Auch das Auslosen der Setlist von Seiten des Publikums lockert die Versteckstimmung auf. Allerdings beginnt es wieder zu regnen, „wir können das ja jetzt gerade nicht machen, aber das nächste Lied heißt trotzdem „von außen zu““, grinst Sänger und Gitarrist Laslo seinen Zuschauern entgegen und spielt. Neben den zumeist deutschen Texten gibt es vom zweiten Sänger und Gitarristen Stan auch Englisches zu hören. Die Musik dazu ist freundlicher Rock, der zumeist aufdreht durch die Gegend hüpft und Blicke strahlen lässt.

 

Als nächstes sind Crow an der Reihe. Da der Schlagzeuger aufgrund von Krankheit an diesem Tag nicht verfügbar ist, haben sich Jens, Harti und Svenja kurzfristig entschieden, ihr Set ins Akustische zu übersetzen und den Gig unplugged zu spielen. Mit zwei Gitarren und einem Bass wird der sonst thrashige Sound weich, was gut zu unserer Portion Pommes passt, die wir beim Lauschen genüsslich mampfen. Der neuartige Crow-Sound lebt nun noch mehr als sonst von der begeisternden Stimme des Sängers Jens, die James Hetfields Gesang sehr nahe kommt. Und auch wenn technische Unfeinheiten auf der Akustikgitarre schneller auffallen, und die Riffs nicht immer auch unplugged ihre Wirkund entfalten, können Crow heute gefallen. „Ihr braucht gar keinen Drummer“, ruft einer aus dem Publikum.

Kurz nach 16:00 Uhr kommen wir dann zurück zur Kategorie Deutsch-Rock mit Haupteinfluss Die Ärzte. Neben meinem persönlichen Ärzte-Lieblingslied „Ignorama“ hören wir von der Band namens Alles selbstverständlich auch eigene Songs. Straffe Riffs und ein ungewohnt gut hörbarer Bass zerstören hier den langweiligen Buben Klang, der Bands wie diesen zu häufig anlastet. Dafür gibt es eine handvoll Punk dazu, die der Tanzbarkeit noch einen Schubs verleiht. Die Texte sind dabei sehr einprägend und schnell mitsingbar. Das Publikum, das zu diesem Zeitpunkt geschätzte 100 Personen fasst, ist jedoch noch immer verhalten, was sich bei den nächsten Bands auch kaum ändert.

Ruppiger wird es, als anschließend Rockout die Bühne betreten. Die Band ist wie WhatEver und Alles noch eine ziemlich frische Gruppierung, die in Celle nun auf Zustimmungssuche ist. Weniger freundlich und brutaler erinnern die Jungs allerdings eher an Böhse Onkelz als an Farin und Co. Die Stimme von Sänger Manu ist grob und gepresst, die Riffs animieren eher zum Bangen als zum Rumhüpfen, was vereinzelt auch geschieht. Um diese Zeit ist auch noch immer der Regen ein Problem, „was für ein verpisstes Wetter“, stellt man von Seite der Bühne fest und wir freuen uns noch immer über unseren Schirm. Aufgrund der wenigen Besucher ist es aber auch für die falsch angezogenen möglich, sich an einem der Getränke beziehungsweise dem Wurst- und Pommerstand unterzustellen.

Um 18:00 Uhr zeigen sich dann Seducer dem Celler Publikum. Wir sehen sie zum ersten Mal und sind überrascht, was sich da so lange vor uns versteckt hat. Die Musiker aus Celle/Schweimke/Gifhorn spielen Metal, der gespickt mit schicken Solis und bewegendem Rhythmus in Celle ein Einzelfall darstellt. Dass sich der eine oder andere in die 80er Jahre versetzt fühlt, liegt dabei nicht nur an Outfit und Posing der Musiker, auch musikalisch erinnern Seducer stark an die Anfänge der Metalbewegung. Der Sänger klingt ziemlich teuflisch und wird ab und an etwas humaner von den anderen Musikern begleitet. Insgesamt spielt die Gruppe einen begeisternden, abwechslungsreichen Auftritt, der für uns den Höhepunkt des Abends darstellt. „Seid ihr bereit für Babylon?“ übergibt sich Malte von Hörsten in sein Mikrophon. Die Nebukadnezar-Fahnen prangern im Hintergrund und die dunklen Wolken ziehen bedrohlich nah am Stadion vorbei. Nebukadnezar spielen düsteren Death Metal mit Black Metal Einflüssen und stehen damit neben Rock und netten Metal Bands bei diesem Festival ziemlich alleine dar, was sich jedoch kaum äußert. Der Raum vor der Bühne ist sogar etwas besser gefüllt als bei vorigen Bands. Neben den bekanntlich teils fiedeligen, teils diabolisch rhythmischen Gitarren und der maschinengewehrartigen Double Bass integrieren Nebukadnezar auch einen Gong und atmosphärische Klänge vom Band. Um 20:00 Uhr sind die Thrasher 3rd Grad Burn bereit, die Wiese zu planieren. Falks 6-saitiger Bass und simple, dafür unmissverständliche Riffs fragen nicht. Hier wird gestampft und schwer abgegangen und zwar das erste Mal an diesem Tag. Der Zaun zur Bühne und Schlagzeugteile fallen, müssen festgehalten werden. Neben bekannten Stücken wie „3rd Grade Burn“ und „Indestructible“ spielt die 3-Mann-Band auch wieder „I Choke“ von Ektomorf, deren Sound ihre eigenen Stücke unüberhörbar inspiriert. Nach einer verkürzten Spielzeit, die sich auch die Band nicht erklären kann, müssen sie die Bühne räumen und hinterlassen ein aufgekratztes Publikum, das sich schon sehr auf die nächste Formation freut.

Denn nun sind Bloodwork aus Paderborn dran. Die Band geniest mittlerweile auch in Celle einen gewissen Bekanntheitsgrad und das zu Recht. Der corige Metal hat Feuer und Emotion und ihrer rasanten Abgehmucke kann und will sich das wenn auch kleine Grüppchen vor der Bühne nicht entziehen. „Okay Leute, ihr habt alle eure Haare dabei, mancher mehr, mancher weniger“, führt Sänger David ein und stachelt das Publikum weiter an. Er fordert außerdem einen Circle Pit um die Mischbude und läuft auch selbst eine Runde mit. Eskalation lässt sich nicht besser darstellen.

Um 22:30 Uhr geht es dann weiter mit Jamies Way To Pornstar. Ihren popigen Rock besingen auch sie auf Deutsch. Dabei klingt das gestriegelte Ganze stark nach „heile Welt“. Den süßen Mädchen vor der Bühne gefällt es jedenfalls ganz gut. Sie strahlen und wippen lustig hin und her. Was mit den anderen Zuschauern passiert ist, ist nicht so recht klar. „Wir spielen mal wieder nur für unsere eigenen Freunde“, merkt die Band selbst. Eine Stunde später sind Captivity an der Reihe. Das Publikum ist zurückgekehrt und lässt sich nur zu gern von Charismatiker Marc Bünnemann anstacheln, „habt ihr Bock euch den Nacken zu brechen?“. Die Zuschauer bejahen und bewegen sich zum Death Metal/Hardcore der Band. Sänger Marc wechselt dabei zwischen cleanem Gesang und verschiedenen Arten des Growling und Shouting. Die Band spielt eingängig und melodisch – Das Publikum findet das Ganze spitze. Den Abschluss macht daraufhin das Butterfly Projekt. Leider kann der grungige Deutschrock heute nicht mehr viel reißen. Es stehen gerade noch 20 Besucher vor der Bühne, frierend und müde. Zwar hat es schon lange nicht mehr geregnet, jedoch ist irgendwie alles etwas nässlich und ohne das klein bisschen Sonne noch ungemütlicher. Daran ändert es auch nichts, dass Sänger Chris ein hübsches Mikrophon mitgebracht hat.

Insgesamt war das Rock-Festival definitiv einen Besuch und natürlich auch die 5€ Eintritt wert. Leider hatten auch diese Veranstalter mit einem Besuchermangel zu kämpfen, der höchstwahrscheinlich durch die schlechte Wettersituation ausgelöst wurde. Dementsprechen war auch niemand mit Zelt angereist. Außerdem waren Tätowierer und Friseurinnen nur kurz im VIP-Zelt, was allerdings nicht so richtig gestört hat. Der Rest hat jedoch absolut gestimmt: Leckere Wurst, genug Sitzmöglichkeiten und ein spitzen Sound haben die Veranstaltung gerettet. Jedenfalls für den Besucher.

Wir hoffen auf ein Rock-Festival No. 2 im nächsten Jahr!

Quelle: grassyworld.net

Add your comment

Your name:
Your email:
Subject:
Comment: